Forschung

„Es geht mir nicht so sehr um die Komposition, sondern ich bin […] sensibel für die
Grenzen, Kanten und Ränder eines Bildes – nicht nur in Bezug auf seine rechtwinkligen
Begrenzungen, die sich mit den heutigen digitalen Technologien leicht verändern lassen,
sondern in einem breiteren Verständnis der Kadrage als immanenter aktiver
Bildherstellung und Beziehungsformierung.“

Trinh T. Minh-ha

 

Mediale Ethnografien
                      Partizipative Mediografien

stellen seit 2012 meinen Forschungsschwerpunkt dar. Sie sind integraler Bestandteil
meines Habilitationsprojekts zu Transferwissen in Kulturdialogen und Dialogkulturen.
Mich interessiert die Vielfalt von Medien und Sinnen, die eingebunden sind in die
Ethnografie. Dabei weise ich daraufhin, dass die Erforschung der/des „Anderen“ nicht
allein durch ‚teilnehmende Beobachtung‘ ermöglicht wird, sondern vielmehr als ’sinnlich
wahrnehmende Teilhabe‘ zu verstehen ist. Es ist dies eine Teilhabe, die durch einen
wechselseitigen und sich gegenseitig beeinflussenden Prozess des Verstehen-
Wollens gestaltet und medial (durch Schrift, verbale ebenso wie nonverbale
Kommunikation und/oder (Bewegt-)Bild) geformt wird. Im Sinne der Filmemacherin,
Schriftstellerin und Ethnografin Trinh T. Minh-ha geht es mir nicht um ein
„speaking about“, sondern ein „speaking nearby“. Selbst- und Fremdwahrnehmung
stehen dabei in einem unmittelbaren Wechselverhältnis, bedingen einander und wenden
den Fokus auf die Zwischenräume, die im Forschungsprozess entstehen:
zwischen Forschenden und Erforschten sowie zwischen den verschiedenen Medien und
Sinneseindrücken. – Unter ‚medialen Ethnografien‘ verstehe ich eine Forschungspraxis,
die diese als intermedialen Aushandlungs- und Übersetzungsprozess reflektiert.
Denn nicht nur die (Film-)Kamera und ihre Kadrage begrenzt das, was sich vor
der Kamera’linse‘ abspielt, unser Wahrnehmungs’apparat‘ als solcher kadriert ebenfalls
das Erlebte. Eine partizipative Mediografie zieht angesichts dieser unumgänglichen
’soma-technischen‘ Begrenzungen methodische Konsequenzen: Sie lädt die
Erforschten dazu ein, sich aktiv an der Forschung zu beteiligen, daran, das
ethnografische ‚Material‘ zu erstellen als auch es unter repräsentationskritischen
Aspekten zu diskutieren. Dabei findet eine gemeinsame Auseinandersetzung mit
der Zirkularität von Verstehensprozessen statt. Ein wechselseitiges Tranferwissen wird
entwickelt, Wissenskulturen und Dialogkulturen gestaltet. Die Grenzen zwischen empirisch
kulturwissenschaftlicher Forschung und Aktionsforschung werden dabei fließend.

In diesem Kontext möchte ich hinweisen auf die Videodokumentationen der
Berliner Methodentreffen, hier insbesondere auf die Mittagsvorlesung 2010
von Rainer Winter und das Symposium 2014 zur Forschungsethik.

Weitere Informationen siehe den Flyer zur Internationalen Tagung von MBody
„Spuren 2.0. Medien – Körper – Sinnlichkeit“ 2013 im E-Werk Freiburg i. Br./G:

Mediale_Ethnographien_Flyer_2013_1

Mediale_Ethnographien_Flyer_2013_2